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Halitosis - Mundgeruch


 

Laut Wikipedia, freie Enzyklopädie: 
Halitosis (medizinischer Begriff, Wortneuschöpfung durch die Firma Listerine im Jahre 1921), Mundgeruch (wissenschaftliche Bezeichnung) oder auch schlechter Atem genannt, der den wahrnehmbar unangenehmen Geruch beim Ausatmen beschreibt.

 

Arten

 

Temporärer Mundgeruch ist eine sehr verbreitete, zeitweilige Erscheinung, hervorgerufen durch trockene Mundschleimhäute, Stress , Hunger (Ketose), den Verzehr bestimmter Lebensmittel wie z.B. Knoblauch oder Zwiebeln, Rauchen oder unzureichende Zahnhygiene. Morgendlicher Mundgeruch ist ein typisches Beispiel für temporären Mundgeruch. Chronischer Mundgeruch hingegen ist eine weitaus ernstere und dauerhaftere Erscheinung, die 25% der Bevölkerung in unterschiedlicher Ausprägung betrifft. Diese Form des Mundgeruchs kann persönliche wie auch geschäftliche Alltagssituationen des betroffenen Menschen negativ beeinflussen. Im schlimmsten Falle führt es zu einem verringerten Selbstwertgefühl und erhöhtem psychischen Stress. Ursache für diese Form des Mundgeruchs ist üblicherweise ein erhöhtes Vorkommen bestimmter Bakterien im Mundraum. Zumeist handelt es sich hierbei um Mutans Streptokokken. In diesem Falle ist eine spezielle Behandlung erforderlich. Xerostomie (Trockener-Mund-Syndrom) erhöht die Gefahr von Mundgeruch. Foetor hepaticus ist eine Art des Mundgeruchs, hervorgerufen durch chronisches Leberleiden. Der Geruch soll dem eines „frisch geöffnetem Leichnams“ ähneln. 

 

Ursachen 

 

Obwohl die Ursachen für Mundgeruch nicht vollständig erforscht sind, rühren die meisten unangenehmen Atemgerüche aus Essenrückständen im Mund. Bei einer normalen Mundflora werden diese Speisereste abgebaut bzw. verdaut. Es gibt durchschnittlich über 400 Bakteriensorten im Mundraum. Mehrere Duzend davon können zu Problemen führen, wenn ihre Anzahl steigt z.B. als Folge unzureichender Mundhygiene oder wenn sich die Bakterien genetisch bedingt zu stark vermehren. Große Mengen dieser natürlich-vorkommenden Bakterien befinden sich oftmals im hinteren Zungenbereich, wo sie bei normaler Aktivität ungestört sind. Der raue Zungenrücken bietet einen idealen Lebensraum für anaerobe Bakterien. Dort können sie unter einem sich stetig-bildenden Zungenbelags aus Essensresten, toten Zellen und hunderttausender Bakterien, lebender und toter, gedeihen. Bleibt dieser Belang auf der Zunge, kann die anaerobe Atmung solcher Bakterien entweder zu verwesendem Geruch von Polyaminen führen, oder zum Geruch „fauler Eier“  hervorgerufen durch flüchtige Schwefelverbindungen (VSC) wie z.B. Schwefelwasserstoff, Methylmercaptan und Dimethylsulfid, je nach Art des Bakterientyps. Es sind generell diese Komponenten, die, vermischt mit der Atemluft beim Ausatmen, den unangenehmen Mundgeruch hervorrufen.  

 

Andere Ursachen chronischen Mundgeruchs können sein: Parodontitis (Zahnfleischerkrankungen), Helminthiasis (Darm-Parasiten-Infektionen), Diabetes, Nierenversagen, Nasennebenhöhlenentzündung, Mandelsteine, gastro-ösophagealer Reflux (GERD), Trimethylaminurie (TMAU), hormonelle Veränderungen und eine Vielzahl von verschreibungspflichtigen Medikamenten (vor allem bei dauerhafter Verabreichung).

 

Diagnose

 

Der eigene Atem ist aufgrund der Gewohnheit meist selbst nicht wahrnehmbar, obwohl viele Betroffene zudem über einen schlechten Geschmack im Mund klagen (metallisch, sauer, fäkal etc.). Dieser hängt wiederum von der Mundtrockenheit und dem Ausmaß des Mundgeruchs ab. 

 

Eine ganz wirksame und einfache Methode, um den eigenen Mundgeruch festzustellen, ist es, den Handrücken zu belecken, den Speichel für ein bis zwei Minuten einziehen zu lassen und dann das Ergebnis zu beriechen. Ein anderer Weg ist es, den hinteren Teil der Zunge mit einem umgedrehten Löffel oder einem Stück Zahnseide leicht abzukratzen und den getrockneten Rückstand zu beriechen. Der Ehepartner, eine Familienmitglied oder ein nahestehender Freund sind evtl. auch dazu bereit, den eigenen Atem zu riechen und ein ehrliches Feedback zu geben. Außerdem gibt es mittlerweile hochzuverlässige Tests für Zuhause, die mittels chemischer Reaktion das Vorhandensein von Polyaminen oder Schwefelverbindungen auf dem Zungenabstrich nachweisen und so möglichen Mundgeruch feststellen können. Beachten Sie auch, dass die Intensität des Mundgeruches aufgrund verschiedener Faktoren im Laufe des Tages schwankt. Daher sollten Sie den Test mehrfach durchführen. 

 

Wenn es sich um dauerhaften Mundgeruch handelt und alle anderen medizinischen wie auch zahnmedizinischen Faktoren ausgeschlossen werden konnten, sind spezielle Untersuchungen und Behandlungen erforderlich. 

 

Hunderte Zahnarztpraxen und Atemkliniken nutzen den tragbaren Sulfide-Monitor, auch Halimeter genannt. Dieses Gerät misst das Niveau der Schwefelemissionen in der Atemluft (insbesondere Schwefelwasserstoff). Bei sachgemäßer Handhabung kann dieses Gerät einen sehr genauen Aufschluss auf das Vorkommen bestimmter VSC-produzierender Bakterien geben. Jedoch hat es Nachteile bei der klinischen Anwendung. Zum Beispiel können andere Sulfide (wie Mercaptan) nicht so einfach aufgezeichnet werden und stellen das Testergebnis dadurch u.U. falsch dar. Bestimmte Lebensmittel wie Knoblauch oder Zwiebeln produzieren für ca. 48 Stunden Schwefel in der Atemluft und können das Ergebnis in seiner Genauigkeit ebenfalls beeinträchtigen. Auch auf Alkohol reagiert der Halimeter sehr empfindlich. Daher sollte man auf den Alkoholkonsum wie auch auf alkoholhaltige Mundspülungen mindestens 12 Stunden vor dem Test verzichten. Die analoge Maschine verliert im Laufe der Zeit an Empfindlichkeit und sollte in regelmäßigen Abständen neu kalibriert werden, um exakt zu bleiben.  

 

Aber auch neue Technologien erscheinen auf dem Markt. Tragbare Gaschromatografiegeräte wie das OralChroma können speziell auf molekularer Ebene die drei großen VSCs (Schwefelwasserstoff, Methylmercaptan und Dimethylsulfid) in einer Atemluftprobe digital messen. Die Ergebnisse sind sehr genau und können mittels einer Computer-Schnittstelle grafisch visualisiert werden. 

 

Dennoch bleibt die mikrobiologische Untersuchung der Abstriche von Zähnen und Zunge die zuverlässigste Methode, wenn es um den Nachweis spezifischer bakterieller Ursache von Mundgeruch geht. 

 

Pflege für Zuhause

 

Handelsübliche atemerfrischende Mundwässer, Pfefferminzbonbons oder Lutschtabletten sind nur eine kurzfristige Abhilfe bei Atemproblemen, da diese Produkte den Mundgeruch lediglich für ein paar Minuten überdecken. Spülungen enthalten antibakterielle Mittel wie z.B. Chlorhexidin, Zinkgluconat oder Chlordioxid. Sie können unter Umständen und je nach individueller Ausprägung helfen, das Problem besser unter Kontrolle zu bekommen. Vermeiden Sie alkoholhaltige Spülungen, da Alkohol austrocknet und das Problem eher verstärkt. 

 

Schlechter Atem kann zeitweise durch Wasserstoffperoxid-Spülungen reduziert werden. Wasserstoffperoxid in einer Konzentration von 1,5 % kann als orales Antiseptikum gegurgelt werden. Nehmen Sie dafür 10 ml. Dies sind ca. zwei Teelöffel. Handelsüblich sind Wasserstoffperoxidlösungen in einer Konzentration von 3 %. Daher sollte die Lösung verdünnt werden mit der gleichen Menge an Wasser. Wasserstoffperoxid ist ein starkes Oxidationsmittel, das die meisten Bakterien abtötet, darunter aber auch die nützlichen aeroben Bakterien. 

 

Das effektivste Produkt ist zumeist nicht in Apotheken zu finden, kann aber über Internet bestellt werden. Qualitativ hochwertige Tests für Zuhause, antibakterielle Mundspülungen, Spritzdüsen, Zahnpasten, Kaugummis, Pfefferminzdragees oder Zungengele sind dort zwar möglicherweise etwas teurer, wie jedes höherwertige Produkt, wirken aber im Gegensatz zu günstigeren Markenprodukten dem Mundgeruchproblemen weitaus effektiver entgegen. Im Falle des Internet-Shopping gelten zwei Vorbehalte: Zum einen muss der Verbraucher sicher gehen, dass der Verkäufer vertrauenswürdig ist (recherchieren Sie nach etablierten Kliniken für Mundgeruch bzw. zahnärztlichen Versorgungsunternehmen) und bedenken Sie: Ohne professionelle Bewertung werden Sie wohl nur mittels Versuch und Irrtum zu dem für Sie geeignetsten Produkt für Ihr spezifisches Problem finden.

 

Putzen Sie Ihre Zähne nach jeder Mahlzeit und benutzen Sie mindestens einmal am Tag Zahnseide, um faulende Essensrückstände zwischen den Zähnen, vor allem am Zahnfleischrand zu entfernen. Reinigen Sie sanft die Zungenoberfläche mit einer Zungenbürste, einen Zungenschaber oder Zungenreiniger, was die primäre Quelle für Mundgeruch reduziert. Auch ein umgedrehter Teelöffel verrichtet hier gute Dienste. Weniger hingegen die Zahnbürste. Größe und Winkel des Kopfes lassen die Bürste nicht weit genug in den Rachenraum vordringen. Seien Sie vorsichtig, die V-förmige Reihe an Geschmacksknospen ganz hinten auf der Zunge nicht abzuschaben. Bürsten Sie eine kleine Menge an antibakterieller Mundspülung oder Zungengel in die Zungenoberfläche ein. Dadurch wird das bakterielle Wachstum gehindert. 

 

Da ein trockener Mund das bakterielle Wachstum fördern kann, was wiederum schlechten Atem verursacht, kann das Kauen von zuckerfreiem Kaugummi die Speichelbildung anregen. Derartige Kaugummis, Zahnpasten, Sprays und Gels, die einem trockenen Mund für mehrere Stunden vorbeugen, sind seit kurzem im Handel erhältlich. Achten Sie auch auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und trinken Sie mehrere Gläser Wasser pro Tag. Einige Spritzer Zitronensaft hinzugegeben, ist nicht nur erfrischend sondern auch bekömmlich. Petersilie ist ein natürlicher Atemerfrischer. Er sollte langsam gekaut werden und lässt sich leicht selbst Zuhause anbauen.

 

Einige Studien haben gezeigt, dass der Verzehr von Joghurt, das Trinken grünen Tees oder das Kauen auf Zimtstangen bzw. von Zimtkaugummis einen schlechten Atem reduzieren können.

 

Wie ist Mundgeruch zu behandeln?

 

1.Besuchen Sie Ihren Zahnarzt mindestens einmal im halben Jahr für Reinigung und Vorsorgeuntersuchung, um Ihre Zähne frei von Zahnbelag zu halten und anderen Problemen, wie z.B. schlechtem Atem vorzubeugen

 

2.Achten Sie auf einen reduzierten Verzehr bestimmter Lebensmittel: Alkohol, Kaffee (koffeinhaltig als auch entkoffeiniert), dichte Proteine (wie die in Milch- und Fleischprodukten), Knoblauch, Zwiebeln und Zucker begünstigen schlechten Atem

 

3.Versuchen Sie durch die Nase zu atmen. Das Atmen durch den Mund kann zu einem trockenen Mund führen, was den Nährboden für geruchsbildende Bakterien schafft

 

4.Führen Sie regelmäßig Protokoll über Ihre Essgewohnheiten und Medikamenteneinnahmen, da auch sie schlechten Atem verursachen können. Legen Sie das Protokoll Ihrem Zahnarzt vor

 

5.Putzen Sie Ihre Zähne und Zunge zweimal am Tag, um Essenspartikel wie auch Plaque zu entfernen. Benutzen Sie zudem Zahnseide mindestens einmal am Tag, bestenfalls am Abend vor dem Zubettgehen

 

6.Verwenden Sie eine fluoridhaltige Mundspülung mit antiseptischer Wirkung und angenehmem Minzgeschmack. Dies hilft Ihre Zähne zu schützen. Der Geschmack überdeckt das Geruchsproblem.

 

7.Im Handel gibt es Tabletten, die durch Einnahme einen frischeren Atem erzeugen. Man isst sie nach jeder Mahlzeit und beugt so schlechtem Atem vor. Oder gehen Sie den natürlichen Weg und essen Sie ein paar Blätter Petersilie nach jeder Speise. 

 

Tipps und Warnungen: 

 

Haben Sie immer ein paar Pfefferminzdragees oder Kaugummi zur Hand (noch besser: Zahnbürste und Zahnpaste), insbesondere wenn Sie bestimmte Lebensmittel zu sich nehmen, z.B. mit Knoblauch und Zwiebeln.

 

Wenn Ihr Mundgeruch dauerhaft ist, lassen Sie ihn bitte von Ihrem Zahnarzt untersuchen. Schlechter Atem kann auch ein Warnzeichen für weitere Gesundheitsprobleme sein. 

 

Tragen Sie eine herausnehmbare Zahnprothese, dann nehmen Sie sie bitte über Nacht heraus und reinigen Sie sie wieder vor dem Tragen. 

 

Tabak-Konsumenten leiden häufig an schlechtem Atem und anderen Problemen im Mundbereich.

 

Wenn die Symptome anhalten oder wenn Sie spezifische Beschwerden oder medizinische Bedenken haben, empfehlen wir Ihnen, einen Arzt aufzusuchen. Die hier aufgeführten Informationen sind nicht als Ersatz für eine professionelle medizinische Beratung bzw. Behandlung zu verstehen.